St.Virgil, Salzburg

Josef Mikl schuf für das im Salzburger Stadtteil Aigen gelegene und zur Erzdiözese Salzburg gehörende Bildungshaus St. Virgil ein 300 m² großes Wandbild in der Emmaus-Kapelle (1975-76) und vier Messkleider (siehe unten).

Die Architektur des Bildungshaues verantwortete Wilhelm Holzbauer und einige Künstler schufen die Ausstattung (u.a. Peter Pongratz, Peter Schmiedel, Gertrude Fröhlich)

Fotocredit: Stefan Zenzmaier

St. Virgil, Salzburg


Wandbild in der Emmaus-Kapelle, 1975-76

Grundthema der Arbeit: Emmaus

Textstelle: Lukas-Evangelium, XXIIII, 44-53

 

 Format: 9,20 x 34,20 m, Gesamtformat: 300 m²

 (2,10 x 8,50 m), Öl auf Leinwand

 

Die Einweihung der Kapelle fand am Samstag,  1. Mai 1976 durch Erzbischof Karl Berg statt. Seine Gedanken anlässlich der Einweihung:

 "Man hat Ihnen das Thema "Emmaus" gestellt, jene Szene aus dem 24. Kapitel bei Lukas, die für das Leben der jungen Kirche so grundlegende Bedeutung besitzt. Sie haben es verstanden, diese Begebenheit in einer monumentalen, aber auch geheimnisvoll verhaltenen Sprache darzustellen und so den Raum zum Zentrum des ganzen Hauses zu machen, der zum Schauen, zum Nachdenken, zum Beten zwingt. (...) Heute ist es unmöglich, in diesen Raum einzutreten, ohne aus dieser Malerei ein architektonisches Genie zu spüren. ....

Fotocredit: Rita Newman, St. Virgil, Salzburg

Fotocredit: Wolfgang Luttenberger, St. Virgil, Salzburg


Fotocredit: Oskar Anrather, St. Virgil, Salzburg

Fotocredit: Oskar Anrather, St. Virgil, Salzburg


Wilhelm Holzbauer trat an Josef Mikl mit der Idee heran, die Wandgestaltung der Emmaus-Kapelle mit einem Fresko auszumalen. Aufgrund von technischen Überlegungen lehnte Mikl diese Technik aber ab und entschied sich für eine Öl-Malerei auf Leinwand mit einer anschließenden Kaschierung. Nach zwei Entwürfen erfolgte mit dem dritten Entwurf schließlich am 25. September 1975 die Zusage und im Oktober 1975 die Beauftragung durch das Konsortium des Bildungshauses..

 

Im Jänner 1976 begann Josef Mikl im Speisesaal des Bildungshauses die einzelnen Leinwandbahnen aufzulegen und konnte am aufgestellten Arbeitstisch jeweils auf zwei Bahnen gleichzeitig malen. Von der Dachterrasse aus, konnte Josef Mikl in den Speisesaal blicken, um mit genügend Abstand die einzelnen Schritte überprüfen. Am 10. Februar wurden die ersten Bahnen provisorisch auf die Wände der Kapelle aufgezogen. Da einige Leinwandbahnen Josef Mikls Anspruch nicht genügten, wurde diese neu ausgeführt und ausgewechselt. Am 4. April schließlich war das Wandbild in seiner endgültigen Form finalisiert und aufgezogen. Die Einweihung der Kapelle erfolgte am 1. Mai durch Erzbischof Karl Berg, den Josef Mikl 1978 auch porträtierte.

Josef Mikl schrieb selbst 1997:

Das erste große Wandbild in Salzburg 1975-76

 

Die einzelnen Leinwandbahnen bleiben durch ihre übereinander gelegten Ränder plastisch sichtbar.

Sie sind die groben numerierten Einteilungen.

Notwendig für den Tapezierer, das lernte ich in Salzburg.

In den ursprünglichen Entwürfen für Salzburg war der Pantokrator klein.

Er wurde immer größer, denn die Wand verlangte es.

Wäre er klein geblieben, würde er heute Sedlacek heißen oder Klein.

Mit ihm wurden auch die Apostel und Jerusalem größer, denn die Wand verlangte es.

Zu der Arbeit an den damaligen Ölbilder-Leinwandbahnen: ich konnte jeweils nur an zwei arbeiten

(der spätere Speisesaal war mein Atelier geworden), eine bemalte Bahnfläche 8,50 x 2,10 m groß,

wurde in die Kapelle zu den anderen Bahnflächen gehängt, zur Kontrolle, man konnte sie beliebig

auswechseln, weggeben, später vernichten oder daran weiterarbeiten.

Ein stabiles fahrbares Gerüst war vorhanden.

Schließlich hingen alle Bahnen überprüft und wurden befestigt.

Die Arbeiten am Wandbild, 1976

Die Arbeiten an den einzelnen Bahnen im Speisesaal des Bildungshauses

Arbeitstisch im Speisesaal des Bildungshauses

Während des Arbeitens an dem Wandbild in St. Virgil, Salzburg

Detailansichten des Wandgemäldes, 1990 fotografiert

Inschrift Salzburger Wandbild

Mein Vater Matthäus ist am 17. Februar 1976 gestorben. Aber er ist

nur weg gegangen, wir werden uns wiedersehen.


Messgewänder, 1976

Auf Einladung des Bildungshauses St. Virgil gestaltete Josef Mikl vier Messkleider für St. Virgil. Er konzentrierte sich in seinen Entwürfen auf die Symbolkraft der Farben des liturgischen Jahreskreises (Rot, Violett, Grün und Gelb) und auf klare, einfache Formen. Die farbigen Umhänge für die Messkleider hat Jutta Albert verwirklicht, die über naturweißem Wollstoff getragen werden.

 

Fotocredit: Werner Schnelle

Fotocredit: Werner Schnelle

ROT

Baumwollchintz als Applikation

 

 

Rot ist in der Liturgie die Farbe des Blutes und gilt als Symbol für den Heiligen Geist.

 

Die Farbe Rot wird bei

folgenden Anlässen getragen:

Pfingsten

Palmsonntag

Karfreitag

Kreuzerhöhung

an den Festen der Märtyrer

eventuell  auch anlässlich einer Firmung


Fotocredit: Werner Schnelle

Fotocredit: Werner Schnelle

Grün

Baumwollchintz als Applikation

 

Grün gilt als Farbe des erneuerten Lebens und der Hoffnung. Diese Farbe wird in der  sogenannten Zeit des Jahreskreises verwendet. Als diese Zeit gilt jene, die nicht mit den beiden Hochfesten Weihnachten und Ostern verbunden ist.

 

 

 

 

 

 


Fotocredit: Werner Schnelle

Fotocredit: Werner Schnelle

Gelb

Baumwollchintz als Applikation

 

Gelb kann als Ersatzfarbe für Gold gesehen werden. Eigentlich sind Gold und Silber keine liturgischen Farben in dem Sinne, sondern werden auch als besonders festliche Variante der liturgischen Farbe Weiß (als Synonym für die menschliche Vollendung im christlichen Sinn) getragen. Gold symbolisiert das göttliche Gegenüber., daher kann es keine eigene liturgische Farbe sein.

Weiß wird als Symbol der Farbe des Lichts zu den Hochfesten Weihnachten und Ostern getragen.

 


Foto: Werner Schnelle

Foto: Werner Schnelle

Violett

Baumwollchintz als Applikation

 

Diese Farbe gilt als Sinnbild für den Übergang und die Verwandlung, daher wird es auch in der Bußzeit vor Ostern (Fastenzeit) und Weihnachten (Advent) getragen.

 


In einem Gespräch mit Friedhelm Mennekes erklärte Josef Mikl 1990:

... Wer eine Kasel macht, muss sich lange mit ihr befassen. Der Entwurf muss ausgefeilt sein, die Umsetzung durch das beste Handwerk erfolgen. Das erfordert Anteilnahme.

..... Sie muss durchgearbeitet sein, man muss sie aufhängen können, als Bild betrachten. In den Schatzkammern hängen solche Messgewänder, es hängen keine Modefetzen.

... Das habe ich einmal geschrieben. Bilder entstehen ohne Gebete, Gebete brauchen keine Bilder. Abe es gibt keine Kunst ohne Glauben, das ist sicher.

 

zitiert aus: Josef Mikl und Friedhelm Mennekes im Gespräch, in: Gegenwart der Ewigkeit, Spuren des Transzendenten in der Kunst unserer Zeit, hrsg. von Wieland Schmied (In Zusammenarbeit mit Jürgen Schilling), Aussstellungskatalog, Martin-Gropius-Bau, 1990

Fotos, sofern ein Fotograf angegeben wurde, mit freundlicher Genehmigung durch das Bildungshaus St. Virgil, Salzburg
Für den Text und die Zusammenstellung verantwortlich: Gabriele Baumgartner