Josef Mikl 1929 - 2008

Vinzenz Oberhammer: Einführung (Katalog Biennale Venedig 1968)

Große Ölbilder 1958-1968

 

Beim Überblicken des nachfolgenden Werkverzeichnisses mag man den Eindruck gewinnen, als handle es sich bei Josef Mikl um einen Maler der menschlichen Figur. Der wiederholte Gebrauch der Worte „Büste“, „Figur“, „Körper“, „Kopf“ lassen figurale Bilder erwarten. Der Besucher der Ausstellung wird zunächst enttäuscht sein, diese Vorstellung von den Bildern nicht bzw. nicht in gewohnter Weise erfüllt zu sehen. Es gibt außerordentlich sensible Aktzeichnungen schon aus Mikls Akademiezeit und den unmittelbar folgenden Jahren, die zwar dem Körper noch viel unmittelbarer sich nähern, in welchen aber dennoch nicht das Modell als Bildvorstellung die bestimmende Rolle spielt. Nach des Künstlers eigenen Worten bildet der Körper die Grundlage, ist das Thema; das darübergelegte Form- und Farbspiel der Malerei aber ist die künstlerische Durchführung. Wie wichtig dem Künstler der „Körper“ immer bleibt, obschon dieser unter dem wuchernden Spiel der Überlagerung oft kaum mehr in Erscheinung tritt, erweisen sich seine vielen Studienblätter nach der „Figur“ in allen Techniken und aus allen Perioden – wichtig als ergiebige Quelle von Anregungen und Einfällen für die malerische Durchführung wie als deren notwendiges Fundament, als fester Halt der Malerei. Aus der chronologischen Abfolge der in der Ausstellung präsentierten Bilder wird eine stetige und vielschichtige Entwicklung offenbar. Am Anfang der Reihe steht ein wuchtiges tektonisches Auftürmen der Form aus kräftig gerahmten bunten Farbblöcken im Sinne spätkubistischer Transponierung des Figuralen. Mit dem schrittweisen Verzicht auf das Bunte und deutlicher Bevorzugung des Zweiklangs Blau-Rot befreit sich die Handschrift von Bild zu Bild und entwickelt ein wogendes Spiel von Schlangenlinien,die die Formvorstellungen der Bildfläche fast wesenlos überspinnen. Das Graphisch-Schönschriftliche solcher Bilder – in der Ausstellung bezeichnenderweise am reinsten vertreten durch das einzige Werk ohne figurale Grundlage, sondern von landschaftlichem ausgehend – verdichtet sich in der Folge zu einer sehr kraftvollen, entschiedenen Malerei mit souveräner Führung eines breiten, flachen Pinsels, der nun Orange, Ocker, Gelb, Braun, Rosa bevorzugt. In den sehr monumental angelegten letzten Bildern ist die „Figur“ in der Tat auch maltechnisch die Grundierung, auf der sich ein außerordentlich feiner, variationsreicher, trotz des breiten Vortrages geradezu zarter Farben- und Formzauber aufbaut.

 

in: Josef Mikl (Hrsg.), Josef Mikl, Arbeiten 1988 - 1993, Wien 1993, o.P.