Josef Mikl 1929 - 2008

Theater und Malerei, 1996

Im Theater sind die Auftritte von einem, von zwei Komödianten die spannenden, die konzentrierten, kommen weitere dazu, wächst die Gefahr, es entsteht Zerstreuung, Verwirrung.
Je größer die Anzahl der Schauspieler, desto größer die Anzahl der Nichtbeteiligten, der Dilettanten, der nicht ausgefüllten Stellen.
Die guten Theaterstücke, die guten Opern, die gute Malerei entgingen dieser Gefahr von alters her.
Wer mehr wegnimmt, bringt mehr.
Nur wenige Große konnten es anders.
Das Publikum liebt die Statistenopern wegen ihrer Massenauftritte.
Bei Canetti kann man vieles über die Massen lernen.
Sie ist schwer zu bändigen und trotzdem primitiv leicht zu beherrschen.
Schinkenmalerei, Schlachtenmalerei, Politikermalerei sind durch ihre Anhäufungen immer primitiv -
nur Altdorfer malte seine Alexanderschlacht apokalyptisch.
Er malte die Warnung vor der Menge.

 

in: Josef Mikl, Brigitte Bruckner (Hrsg.), Josef Mikl, Arbeiten 1997 - 2008, Wien 2009, S 107