Josef Mikl 1929 - 2008

Sophie Cieslar, Kürbisse und Melanzani, Katalog Kovacek & Zetter, Mai 2014

 

Kürbisse und Melanzani, 1999 - 2000

Öl auf Leinwand

100 x 150 cm

„Meine Bilder sind oft Stilleben“1, dieses Resümee Josef Mikls mag auf den ersten Blick überraschen, wird er doch eher als abstrakter, gestischer Maler eingestuft. Immer wieder begegnen wir aber Hinweisen darauf, dass der Ausgangspunkt seiner Malerei stets im Gegenständlichen zu suchen ist. So ist es keineswegs verwunderlich, dass wir in seinem Schaffen immer wieder dem Genre des Stilllebens begegnen. Mal ist es der Mohn in seinem Garten, Christbaumkugeln, eine Distel, Brot (Kat.Nr. 19) oder Gemüse wie Melanzani (Kat.Nr. 17) oder eben „Kürbisse und Melanzani“, die er als Motive heranzieht. Zeitlich lassen sich die Stillleben nicht einordnen, sie finden sich in allen Werkphasen des Künstlers, es ist somit ein Thema, mit dem er sich immer wieder auseinandersetzt, sei es auf Papier oder Leinwand. „Kein anderer Künstler in Österreich vollzieht dabei mit der Form und dem Thema des Stilllebens eine derart virtuose und aktuelle Symbiose von Malerei und Zeichnerischem wie Mikl. Subtil und radikal zugleich geht es um das Beharren auf das eigene Sehen, dem im Spannungsfeld von ‚spontan’, ‚zufällig’ und ‚konstruieren’ das bildnerische Erkennen folgt.“2 Tatsächlich können wir in dem 1999/2000 entstandenen Bild die mit raschem schwarzen Strich erfassten Umrisse der Melanzani rechts im Bild erkennen. Bei den Kürbissen ist schon mehr Phantasie erforderlich, der orange Farbbalken in der Bildmitte lässt die Schwere der reifen Gewächse erahnen und links davon ist wohl ein aufgeschnittener, grüner Kürbis sichtbar. Der gesamte Bildraum ist von einem gleichmäßigen, gelben Licht erfasst. Die Ebene, auf der sich Melanzani und Kürbisse befinden, ist in die Fläche hochgeklappt, Tiefe entsteht lediglich durch das Nachvornestreben der in kräftigen Farben gemalten Partien und durch die Stärke des Farbauftrags. Stellen, wo dieser dichter und deckender ist, empfindet der Betrachter näher, als den freigelassenen Bildgrund links, der weiß in den Hintergrund tritt.

 

1) Carl Aigner, Meine Bilder sind oft Stillleben, in: Josef Mikl, retrospektiv 1947 - 2003, Ausstellungskatalog, Kunsthalle Krems, krems 2004 / 2005, s. 112 ff

2) s. o. s 113

 

aus: Hollegha, Mikl, Prachensky, Abstraktion in Österreich, Katalog hrsg. von Galerie Kovacek & Zetter, Wien 2014