Josef Mikl 1929 - 2008

Sophie Cieslar, Katalog der März-Ausstellung, fine art & contemporary, Galerie Kovacek & Zetter, Wien

„Figur“ (Kat.Nr. 2), 1956 entstanden, fällt zeitlich in eine Periode reger Ausstellungstätigkeit. Arbeiten von Josef Mikl werden in Sᾶo Paulo, Lissone, Hamburg, Düsseldorf und Japan gezeigt, ebenso wie in Paris, New York, Köln, Turin und Bern. 1957 wird sein Schaffen auch in einer Einzelausstellung in der Wiener Secession und im darauf folgenden Jahr in der Galerie nächst St. Stephan gewürdigt. Der junge Künstler zählt zu den vielversprechendsten österreichischen Nachwuchstalenten, seine Arbeit erregt auch international Aufmerksamkeit.

In den Arbeiten der fünfziger Jahre dominieren noch die geometrischen Formen, wie auch in „Kopfform“ (Kat.Nr. 4), 1957/1958 entstanden, zu sehen ist. Die Bildtitel verweisen darauf, dass Josef Mikls Malerei stets dem Figuralen als Ausgangspunkt seiner Kompositionen verhaftet bleibt. Der Künstler selbst erklärte das so: „Das, was man sieht, das, was man gesehen hat, lässt sich nicht ganz vergessen. Daher gibt es keine ausgedachten, keine wirklich gegenstandslosen Bilder. Ein Gegenstand macht das Bild erst sinnvoll.“1 In unserem Fall ist es der Mensch an sich, sein Kopf oder die Silhouette, die den Künstler interessieren. Gelbe, orange und rote Vierecke fügen sich zu kompakten, fest im Bild verankerten Gebilden zusammen, deren Umrisse sich scharf vom blauen Hintergrund abheben. Dabei geht es keineswegs um das realistische Abformen wahrgenommener Gegenstände oder Figuren. Die Abstrahierung gesehener Formen bringt eine Emanzipation der künstlerischen Mittel. Farbe und Form werden bestimmend und ermöglichen es dem Künstler neue Wege zu beschreiten, die Grenzen der Malerei im herkömmlichen Sinne zu überwinden und der Leinwand zu einer eigenständigen Existenz zu verhelfen. Die strenge Geometrie gibt Josef Mikl in weiterer Folge zugunsten eines freieren Pinselstriches auf. Arbeiten von prächtiger Farbigkeit und großer Spontaneität entstehen.

Ab Mitte der 1950er und vor allem in der ersten Hälfte der 1960er Jahre erhält Mikl mehrere Aufträge für sakrale Glasfenster, unter anderem für die Friedenskirche in Hiroshima. Auf Initiative Alfred Schmellers2 betraut man den Künstler 1966 mit der Gestaltung zweier Fenster für die Pfarre St. Margarethen im Burgenland. In diesem Katalog zeigen wir Ihnen zwei Entwurfszeichnungen (Kat.Nr. 5, 6). Als Inspiration für diesen Auftrag dienen dem Künstler Worte des dänischen Philosophen Sören Kierkegaard: „Im Gewissen hat Gott den Blick auf mich geworfen, und nun ist es mir unmöglich gemacht, zu vergessen, dass dieses Auge mich sieht. Dieses, dass Gott auf mich sah, machte, dass ich auf Gott sehen musste und muss.“

Unter Kat.Nr. 3 findet sich ebenfalls eine Entwurfszeichnung, diesmal für das Deckenbild des Redoutensaals in der Wiener Hofburg, das sich auf Vers 11 und 16 aus dem Gedicht „Jugend“ von Karl Kraus bezieht. „Durch die Deckengröße (404 m²) nicht mutlos werden, nicht ängstlich bei den Vorarbeiten… Ich musste ein Deckenbild entwerfen und ausführen ohne die Erinnerung an die Barockzeit oder an die Rokokozeit. Es durfte kein Erinnerungsbild sein“3, schreibt Josef Mikl und „Ich begann in der Mitte… in der Mitte der Kindheit. Aus der die guten Träume kommen – in der Mitte der Erinnerung. Das Gedicht Karl Kraus‘ handelt davon“4. Begleitend zu diesem gigantischen Projekt, das ganz ohne eigentliche Vorzeichnung entsteht, gibt es etliche Entwurfszeichnungen wie vorliegende, in denen der Künstler Ideen zu Farbdispositionen, der Farbräumlichkeit und kompositionellen Lösungen festhält. Das Gedicht von Karl Kraus ist in feiner Schrift in voller Länge dem Deckenbild eingeschrieben, was natürlich aus der großen Distanz kaum wahrnehmbar und nicht leserlich ist. Wir sehen das Prinzip des Einschreibens der literarischen Grundidee aber auch in vorliegendem Entwurf.

Bei der Ausgestaltung des Redoutensaales handelt es sich um ein zentrales Hauptwerk des Künstlers, ein Auftrag der keine Selbstverständlichkeit war und wo sich Josef Mikl erst in einem internationalen Wettbewerb gegen Künstler wie Horst Antes und Roberto Matta durchsetzen musste. Mit welch unglaublicher Kompositionssicherheit und famoser Farbenfreude er das große Format in beeindruckender Weise bewältigt hat, kann heute jeder Besucher des wundervoll rekonstruierten Saales sehen, der nun während der Umbauarbeiten des Wiener Parlaments dem Nationalrat und dem Bundestag als Sitzungssaal dient.