Josef Mikl 1929 - 2008

Sophie Cieslar, Hawranek, Katalog Kovacek & Zetter, Mai 2014

„Bring den Kuckuck nicht in Wut,
denn er schont wie Du die Brut.
Dieses Lied sang die Hawranek, während sie durch Österreich zog
und niemanden verschonte, der mit Zeitungen zu tun hatte.
Zwei ausländische Studenten, die in Bregenz den Journalismus lernen
wollten, kamen zwischen die Zähne.
Viele Studenten glaubten an die Zeitungswissenschaft, trotzdem die
Hawranek die Zähne fletschte.
Sie lernten ruhig und mutig, um gefressen zu werden.“1

 

Mordend und unersättlich zieht die Hawranek durch Länder und Epochen. „Vor vielen Jahren, als die Erde noch flach war, zerbiß sie bereits Journalisten und Redakteure.“2 Sie macht den Redakteuren der Babenberger–Zeit das Leben schwer, ist bei der Eroberung Mexikos dabei, beißt dem Kaiser Maximilian seine Zeitungsmacher tot - „Der Kaiser weinte“3 – und verkocht 600 Journalisten mit Zucker, Zitronensaft und Zimt zu Marmelade, die sie an den als Feinschmecker bekannten Zaren Peter XII. nach Russland schickt.

 

Hier lernen wir neben dem Ungetüm Hawranek auch die literarische Seite des Malers Josef Mikl kennen.

 

Die Journalistenfresserin Hawranek hat Josef Mikl schon 1948/1949 aus Unmut über die österreichische Kulturkritik ins Leben gerufen. Sie ist ein vierbeiniges Ungetüm, eine Mischung aus „Gemeindebaukatz und Beserlparkhund“4, das keine Gnade kennt und alles lästige „satirische Verhalten“ so Mikl „von meiner Malerei entfernt“5 hält. So lässt der Künstler seine Kunstfigur in unterschiedlichen Serien Abenteuer erleben. „Die Hawranek äschert ein Inka-Pressehaus in Pyramidenform ein, speist Zeitungsmenschen aus einer Rakete wie aus der Konserve. Kein Berggipfel ist ihr zu hoch... Striche zucken und stöbern durcheinander, bravouröses Hakenschlagen, zuerst mehr schmissig, später kugelig gepurzelt, immerzu resolut drauflos.“6 Im Selbstverlag bringt Josef Mikl mehrere Hawranek-Bände7 heraus, zahlreiche Arbeiten auf Papier lassen sich neben den Buchillustrationen ebenfalls diesem Themenbereich zuordnen. Oft sind diese Arbeiten genau bezeichnet und geben Hinweis darauf, wen die Hawranek gerade ins Visier genommen hat, wenngleich Mikl die Namen der gejagten Journalisten (Kat.Nr. 8, 13, 14, 15) doch verballhornt wieder gibt. Manchmal

erläutert auch eine genaue Beschreibung was passiert, nachdem die Hawranek in Aktion getreten ist. Die erfolglosen Fluchtversuche werden ebenso beschrieben wie die Vernichtungsmethoden der Journalistenfresserin (Kat.Nr. 10, 11). Von eher figuralen Darstellungen reicht hier das Repertoire bis „Zur Hawranek“ von 1983, wo Josef Mikl in Öl auf Papier ein wildes Getümmel in Rot, Gelb und Schwarz darstellt. Gestische Pinselstriche werden von grafisch anmutenden Partien begleitet, Stellen werden ausgekreuzt, Rundungen überwuchert, lichte Zonen von dunklen überlagert. Man weiß nicht genau, was da los ist, aber dass etwas los ist, spürt man genau. Einmal mehr hat Josef Mikl seine Malerei zum Schauplatz großer Ereignisse werden lassen.

 

 

1) Josef Mikl, Einige Untaten der Jounalistenfresserin Hawranek, Wien 1964

2) s. o.

3) s. o.

4) Professor Hawranek, Glosse in: Oberösterreichische Nachrichten, 28. Oktober 1969

5) Josef Mikl (Hrsg.), Monografie, Wien 1979, S. 158

6) Otto Breicha, Zur Hawranek, in: s.o. S. 162

7) „Die Hawranek und die Journalisten. 12 Katastrophen aus Österreich“ (1969); „Die Hawranek auf dem Mars. 12 Eingriffe in das Journalistenleben“ (1972); „Acht lose Arbeiten zum Verständnis der Hawranek“ (1982); „Die Aufführung in der Sandgrube oder Der Müller und sein Kind“ (1987)

 

 

aus: Hollegha, Mikl, Prachensky, Abstraktion in Österreich, hrsg. von Galerie Kovacek & Zetter, Wien 2014