Josef Mikl 1929 - 2008

Sophie Cieslar, Figur mit blauem Kopf, 1985, Katalog Kovacek & Zetter, Mai 2014

 

Figur mit blauem Kopf, 1985-1986

Öl auf Leinwand

198 x 198 cm

Es gibt Künstler, die ihre Werke mit großer Sorgfalt auf Papier vorbereiten, um sie dann auf Leinwand zu übertragen. Und es gibt Künstler, die spontan auf der Leinwand arbeiten und sich somit jedes Mal auf einen Neubeginn, ein neues Wagnis einlassen. Zu ihnen gehört Josef Mikl. „So wie ein Dirigent während des Dirigierens auf sein Orchester hören und in Sekundenbruchteilen auf es reagieren muss, horcht auch Mikl auf die Tätigkeit seiner Hand und geht auf sie ein, zustimmend und korrigierend zugleich. Der Zufall als Stimulanz des schöpferischen Potentials wird auf souveräne Weise bejaht.“1 So spontan Josef Mikl auf der Leinwand arbeitet, so wenig einfach zu entschlüsseln sind die Formen und Figuren, aus denen beziehungsweise um die herum sich seine Bilder entwickeln.
Große Leinwände legt Josef Mikl auf den Boden, damit er alle Stellen gut erreichen und so das Bild malend umkreisen kann. Dieses Arbeiten von außen nach innen kann man an vorliegender „Figur mit blauem Kopf“ deutlich ablesen. Die Farbe ist vom Bildrand zur Bildmitte hin gestrichen, alles bewegt sich explosionsartig auf das Zentrum zu. Durch dieses Hinarbeiten auf einen Punkt geht eine eigenartige Energie von dem Bild aus, die einen sofort gefangen nimmt. Das rasche Arbeitstempo des Malers hat sich in seiner energischen Konzentration und Vehemenz auf das Bild übertragen, die ganze Oberfläche scheint zu vibrieren. Durch das intensive Gelb und das kräftige Rotorange bringt Josef Mikl zudem ein Leuchten ins Bild, das diesen Effekt noch verstärkt. Wie kein anderer versteht es der Künstler meisterhaft auch große Formate zu bespielen und dabei keineswegs an Intensität und Stringenz zu verlieren.

 

1) Artur Rosenauer, Zum Verhältnis zwischen Malerei und Zeichnung, in: Josef Mikl, retrospektiv, 1947 - 2003, Ausstellungskatalog, Kunsthalle Krems, Krems 2004 / 2005, S 143

 

aus: Hollegha, Mikl, Prachensky, Abstraktion in Österreich, Katalog hrsg. von Galerie Kovacek & Zetter, Wien 2014