Josef Mikl 1929 - 2008

Sophie Cieslar, Figur 1956, Katalog Kovacek & Zetter, Mai 2014

 

Figur, 1956

Öl auf Leinwand

33,5 x 27 cm

Die farbintensive, frühe Ölmalerei „Figur“ ist 1956 entstanden. Zeitlich fällt die Arbeit in eine Periode reger Ausstellungstätigkeit und beginnender internationaler Aufmerksamkeit. Arbeiten des Österreichers werden auf den Biennalen von Venedig und São Paulo gezeigt und ebenso in Rotterdam, Amsterdam, Mailand und Tokio. Der Titel des Bildes weist darauf hin, dass Josef Mikls Malerei stets dem Figuralen als Ausgangspunkt seiner Kompositionen verhaftet bleibt. Der Künstler selbst erklärt das so: „Das, was man sieht, das, was man gesehen hat, lässt sich nicht ganz vergessen. Daher gibt es keine ausgedachten, keine wirklich gegenstandslosen Bilder. Ein Gegenstand macht das Bild erst sinnvoll.“1 Gelbe, orange und rote Vierecke fügen sich zu einem kompakten, fest im Bild verankerten Gebilde zusammen, dessen Umriss sich scharf vom blauen Hintergrund abhebt. Klar lesbar ist die Form nicht und erst durch den Titel ergeben sich unterschiedliche Assoziationsmöglichkeiten. Die Abstrahierung gesehener Formen bringt eine Emanzipation der künstlerischen Mittel. Farbe und Form werden bestimmend und ermöglichen es dem Künstler, neue Wege zu wählen, die Grenzen der Malerei im herkömmlichen Sinne zu überschreiten und der Darstellung zu einer eigenständigen Existenz zu verhelfen. Es entstehen keine Abbilder der Realität mehr, das Ziel ist es mit der Malerei eine neue Realität zu schaffen. In den Arbeiten der fünfziger Jahre dominieren noch die geometrischen Formen, die Josef Mikl später zu Gunsten eines freieren Pinselstriches aufgeben wird. Als Wegbereiter der abstrakten Kunst in Österreich, ist er auf seine Art ein „realistischer“ Maler, der einen sehr persönlichen Weg gefunden hat, eben diesen Realismus zu überwinden, und der somit zu den wichtigsten zeitgenössischen österreichischen Malern gezählt werden muss.

 

1) Gespräch mit Wolfgang Drechsler, in: Josef Mikl, Arbeiten 1988 - 1993, Wien 1994, o. S.

 

aus: Hollegha, Mikl, Prachensky, Abstraktion in Österreich, Katalog hrsg. von Galerie Kovacek & Zetter, Wien 2014