Josef Mikl 1929 - 2008

Sophie Cieslar, Ausblick mit Orange 1962, Katalog Kovacek & Zetter, Mai 2014

 

Ausblick mit Orange, 1962

Öl auf Leinwand

49 x 30 cm

„Ausblick mit Orange“ von 1962 zählt zum Frühwerk des Künstlers und ist einige Jahre nach Gründung der „Gruppe St. Stephan“ entstanden. In diesen für die Wiener Kunstszene aufregenden Jahren schafft Josef Mikl den endgültigen Durchbruch zum anerkannten und gefeierten Maler. In den 1960er und 1970er Jahren geht der Künstler noch verhalten und sparsam mit den Farben um. In späteren Werken werden diese dann immer satter und leuchtender und finden in den intensiven Orange-, Gelb-, Blau- und Rottönen im Redoutensaal ihren Höhepunkt. Dagegen wirkt das hier gezeigte Bild mit seinen lasierend aufgetragenen Ölfarben und dem Gerüst aus teils sehr zarten Linien stellenweise fast durchscheinend. Der leuchtende Farbraum im Inneren des Bildes wird umrahmt und eingefasst von braunen Balken und Linien. Durch diese Kombination aus statischen und bewegten, aus deckenden und transparenten Zonen und dem nach vorne strebenden leuchtenden Orange entstehen Raum und Tiefe, Bewegung und Dynamik im Bild. „Mikls Farben sind selten ganz opak, bleiben stets durchlässig für Dahinterliegendes. Wie Membrane zwischen geschichteten Bildebenen erscheinen die Farbflächen, nach vorne und hinten wie in Atembewegung vibrierend.“1
Frühwerke wie das hier präsentierte sind gesuchte Sammlerstücke aus einer Zeit, die den Durchbruch der österreichischen abstrakten Kunst als Avantgarde markieren.

 

1) Egon Kapellari, Über Sichtbares und Unsichtbares, in: Josef Mikl retrospektiv, 1947 - 2003, Ausstellungskatalog, Kunsthalle Krems, Krems 2004 / 2005, S 45

 

aus: Hollegha, Mikl, Prachensky, Abstraktion in Österreich, Katalog hrsg. von Galerie Kovacek & Zetter, Wien 2014