Josef Mikl 1929 - 2008

Skizzen und Zeichnungen (Roland Rainer gewidmet), 1991

Die Zeichnung hat ein weites Feld für sich – um die Erde reicht es – ohne Grenzen.
Von Lascaux bis Cezanne, von Leibl nach Mexiko, von China bis Hietzing reicht es, bis zu Wagner und Mungenast und Picasso und weiter.
Entfernungen spielen keine Rolle, niemand misst Schritte oder Kilometer.
Nur die Qualität zählt: Gut ist einfach, schlecht ist kompliziert, also zuviel.
So einfach ist das.
Kompetente Betrachter, kurzsichtig – doch eingebildet, schätzen das Komplizierte, das Einfache stößt sie ab.
Warum ist das so?
Das Malheur der allgemeinen Kunstbetrachtung ist, es gibt keine Rezepte, daher gibt es keine Heilung der kompetenten Besserwisser.
Ein Jammer-
Was ist mit der Entwurfsskizze, vom Einfall gezeichnet?
Vom Gehirn ausgehend und an den Augen vorbei zur Hand, von der Hand auf das Papier gebracht, lebt die Idee plötzlich als sichtbares Zeichen.
Der einfachste Weg, die ursprünglichste Tat.
Die gute Skizze ist der eingefangene, der festgehaltene Gedanke.
Wer also nicht denken kann, der kann auch nicht zeichnen.
Jede Gesellschaft hat ihre verdienten Kunstbegleiter, es skizzieren für sie Modemaler, Zeitungsenten, Ornamentarchitekten schön, aber gedankenlos. Ein Ade ihren schönen Entwürfen, ein Ade der Weichheit (durch die schlechte Einstellung), der Umschreibung,d er Scheinphilosophie, der angenehmen Kunstgewerberichtung, der Kraftmeierei ohne Kraft, eitel, anmaßend – doch gelobt und angesehen.
Bringt die technische Zeichnung etwas Besseres?

 

Reißbrett und Reißschiene, elektrische Maschinenzeichnungen, Fotografien und Klebebilder ersetzen nicht die Großzügigkeit der Hand, großzügig vom Gedanken geführt.
Denn für den guten Gedanken gibt es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, zwischen Dach und Keller, als die Ingenieurkammer, das steht fest, mehr Dinge, als die verschlafene Schulbildung davon träumen kann.
Im Wachen wird die Klugheit des Auges natürlich gegen den geometrischen Aberglauben eingesetzt – die Ideenskizze bringt die notwendige Aufklärung über das Haus.
So sollte es sein.

 

So war es immer, das beweisen die Zeichnungen unserer großen Baumeister.
Waren diese Baumeister große Architekten und daher gute Zeichner oder große Zeichner und daher gute Baumeister?
Das eine bedingt das andere.
Aber immer war am Anfang die Skizze, die Idee und dann erst alles andere.
So wie bei Dir, Roland Rainer.

 

 

Roland Rainer, 1992, Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm