Josef Mikl 1929 - 2008

Niemand lebt ohne Gewissen

"Selbst wenn man das Denken noch nicht gelernt hat, weiß man, daß es ein Bewußtsein, ein Gewissen gibt.

Und wenn man älter wird, weiter und weiter spinnt, alles mit sich alleine ausmachen muß - denn nichts wir einem in der Wirklichkeit abgenommen -, so könnte man einen Vergleich mit dem Handwerk ersinnen.

Wenn man also über das Handwerk nachdenkt, über einen Tischler, über einen Schneider, über einen Fliesenleger, über einen Schuster oder über einen Maler, so hatte diese Leute mit ihrem Bewußtsein zu kämpfen.

Ihr Bewußtsein, ihr Gewissen frage: Machst du das, was du machst, gut - oder macst du das, was du machst, schlecht?

Unsere Zeit hat mit ihrerm Plunder, ihrem Industriepofel zu kämpfen. Sie hat das Wegwerfen erfunden. Und sie kann mmit ihrer Fertigkeit dieses Gewissen nicht zum Reden, nicht zum Nachdenken kommen lassen.

Die entwickelten Länder haben für die Sachlage den Psychiater erfunden. Er ersetzt den Priester, vertauscht das Gewissen mit dem Unterbewußtsein, den Beichtstuhl mit der Ordination, die Buße wird abgeschafft, statt dessen werden Medikamente verordnet.

Niemals gab es so viele schlechte Handwerker, so viele schlechte Fließbandarbeiter, so viele schlechte Direktoren und Generaldirektoren.

Der Mensch hat eben gelernt, diese Gewissen (diesen breiten Graben in ihm) zu überbrücken, zuzuschütten, aus der Welt zu schaffen, scheinbar aus der Welt zu schaffen.

Der Weg führ abwärts. Wohin führt er?

Wenn diese einzige Verbindung zum lieben Gott doch aus der Welt gedacht sein wird, zum Verschwinden gebracht sein wird - so wird diese Welt enden."

 

in: Jos Rosenthal, S 106