Josef Mikl 1929 - 2008

Josef Maier: Josef Mikl, Eröffnungsrede, Galerie Maier, September 2012

 

Schön während der Akademiezeit am Schillerplatz bei Josef Dobrowsky und Herbert Boeckl erregte Josef Mikl großes Aufsehen mit seinen Arbeiten.

Ausstellungsansicht Galerie Maier Innsbruck 2012

 

Er trug einen wesentlichen Teil zur Avantgarde nach 1945 bei und gehörte zum Grundstock der Galerie nächst St. Stephan, unter Otto Mauer, die einen entscheidenden Einfluss auf die Moderne ausübte. Im Gegensatz zu weiteren Mitgliedern wie A. Rainer, M. Prachensky, oder Hollegha, die sich dem Informel, der Abstraktion, der gestischen Malerei verschrieben hatten, suchte Josef Mikl stets die Auseinandersetzung mit der konkreten Vorlage - dem Motiv.

 

Es herrscht bei seiner Zeichnung und Malerei ein Spannungsfeld zwischen Gegenstand und Abstraktion.

 

Seine Ausgangspunkte waren sowohl der menschliche Körper, das Porträt, sowie Fundstücke aus seiner nächsten Umgebung - die er zu seinen Stillleben versammelte.

 

Er lässt sich dabei nicht von der Empfindung allein leiten, sonder konstruiert gleichsam seine Zeichnungen und seine Malerei.

 

Werner Hofmann sah schon bei den frühen Arbeiten von Josef Mikl ein Vermögen zum klaren Komponieren, einer Beherrschung, die zugleich Selbstbeherrschung war. In seinen aussagen ginge er dabei "geradewegs einen Weg zwischen Ausschweifung und Askese, Form und Rhetorik. Seinen Arbeiten bescheinigt er, in ihrer vitalen Dichte und Fülle, ihrer Form, eine hohe malerische Intelligenz.

 

Ausstellungsansicht Galerie Maier Innsbruck 2012

Mit seiner malerischen Bearbeitung und Umformung in seine Sicht und Sprache bewegte sich Josef Mikl am Rande der Abstraktion, oftmals bleibt nur mehr die Struktur von Formen und Farbe als ordnendes Bildelement.

 

Seine Malerei ist ovn einem großen Wissen um deren Möglichkeiten gestaltet, seine gesetzten Farbfelder sind weg vom zufälligen, vom spontanen Auftrag und sehr bewusst und kraftvoll gesetzt. Mikls "Farbformen würden mit der Intensität von Provokationen" auftreten meinte dazu W. Hofmann.

 

Er huldigt dabei nicht einer gestischen, ungegenständlichen Bildfindung und lässt die formale Kontrolle nie außer Betracht.

 

Nach Werner Hofmann hat sich Josef Mikl "nicht von der malerischen Materie ergreifen lassen, sondern von ihr Besitz ergriffen." Sein Formverstand ist mit dem Ineinandergreifen von Figur und Raum, Körper und Fläche befasst. Mikls Arbeiten würden die "dunkle Totalidee von Würde und Verletzung tragen".

 

In diesem Sinne folgt Josef Mikl der Weiterentwicklung und Huldigung der österreichischen Maltradition. Diese fand ihren Ursprung in Bezug auf die Moderne des 19. Jahrhunderts, u. a. C. Schuch und in der Bewegung der Secession, wie bei Einzelpersönlichkeiten außerhalb des damals aktuellen akademischen Kunstbetriebes, u. a. Oskar Kokoschkas Frühwerk oder bei dem lange missverstandenen Richard Gerstl und Jean Egger.

 

Nach den dramatischen Ereignissen des Jahres 1918 wurde das entstandene Vakuum durch die Maler des Nötscher Kreises, in Tirol u. a. durch die Kunst Egger-Lienz' oder Nikodem fortgesetzt und kompensiert. Herbert Boeckl gelang es mit seiner künstlerischen Aussage wie mit seiner Lehrtätigkeit das Bewusstsein für Kreativität und Inhalte der Kunst zu wecken.

 

In Josef Mikl sehe ich dessen legitimen Nachfolger und Erben. Wie H. Boeckl hat auch Josef Mikl durch seine Lehrtätigkeit und Leitung des Abendaktes einen entscheidenden Anteil an der heutigen Kunstszene in Österreich.

 

Ausstellungsansicht Galerie Maier Innsbruck 2012

Wie schon erwähnt, ging es Josef Mikl nicht um Effekt oder dekorative Wirkung seiner Kunst, sondern vielmehr um deren Inhalte, deren formale Grundstimmung und ihrer empfundenen Farbigkeit.

 

"Mikl ist kein Imitator der Natur, noch weniger ihr Kopist, er übersetzt sie, transportiert sie, erlaubt sich dabei die Freiheit seiner eigenen Schöpfung und überschreitet das Interpretative, Hermeneutische", meinte dazu Otto Mauer.

 

In unserer Zeit ist eine Diskussion über Qualität, über formale und koloristische Stimmigkeit nur schwer zu vermitteln und verständlich, wo heute Kunst nach Provokation, nach Quadratzentimeter-Preisen und Marketingeinheiten bewertet wird und wir uns davon verführen lassen.

 

Die derzeitige Ausstellung von Jeff Koons im Liebighaus und der Schirn-Kunsthalle in Frankfurt ist ein typisches Beispiel für dieses Zeitgeschehen. Die am Computer entworfenen Motive, von kommerziellen Handwerkern und Bildschnitzern des Grödentals bzw. in Oberammergau ausgeführte Figuren sind diesen des Hochmittelalters gegenübergestellt. Diese an Banalitäten erinnernden Skulpturen sind behütet utner Glasstürzen, während die hohe Kunst der Gotik frei ohne Schutz danebensteht. Ob dieser arroganten Blindheit überkommt einen die Frage nach dem Sinn der Kunst. Hier wurde die Spekulation museal aufbereitet und der Name geadelt - unsere traditionelle Hochkultur zu Grabe getragen.

 

Diser Exkurs erklärt die Bestrebung und das Bemühen der Kunst von Josef Mikl, der sich nie verleiten ließ, nur dem Zeitgeist zu huldigen, um schnelle Begeisterung zu wecken.

 

Seine Arbeiten sind im besten Sinne zeitlos. Sie setzen jedoch vom Betrachter ein Mitempfinden und Lernen voraus, welches das Geheimnis seiner "einfach guten Malerei" erkennen lässt.

 

 

Eröffnungsrede am 15. September 2012 anlässlich der Eröffnung der Ausstellung Josef Mikl, Ölbilder und Arbeiten auf Papier in der Galerie Maier, Innsbruck gehalten.

www.galerie-maier.at