Josef Mikl 1929 - 2008

Ina Tempfer, Figur 1960, Katalog Kovecek & Zetter, Mai 2014

 

Figur, 1960

Öl auf Karton

39,3 x 30,4 cm

„Nicht Abbildung, sondern Formdeutung“ hat schon Monsignore Otto Mauer als die Grundintention und treibende Kraft der Kunst von Josef Mikl erkannt. Daher geht es in den Bildwelten dieses Künstlers um Prinzipielles, um Ordnung und grundlegende Gefüge. Mikl ist stets auf der Suche nach den inneren Strukturen seiner Gegenstände, die er in allgemeine Bildstrukturen zu übersetzen versucht und damit das Ordnungsgefüge der Welt in die Tektonik seiner Bilder transportiert. Aus dieser Suchbewegung entsteht aber nichts Statisches, vielmehr scheinen sich Farben, Formen und Linien im langsamen Zueinander – zuweilen ein wohlgeordnetes Gegeneinander zulassend – beständig neu zu entfalten… Immer wohnt den Bildern etwas eigenartig Ungezähmtes und bleibend Ungebändigtes inne. Sie scheinen weniger der Versuch einer Antwort als die Generierung der Frage zu sein, was denn die Schönheit dieser Welt, was die Ordnung des Kosmos sein könne.“1

Im Gegensatz zur „Figur“ von 1956 (Kat.Nr. 6) hat sich im nebenstehenden Bild die Dominanz der geometrischen Form in Mikls Werk verflüchtigt zugunsten einer freieren Malweise. Vor einem leuchtend orangen Hintergrund breiten sich über die gesamte Leinwand schwarze, graue und weiße Pinselstriche aus, die von ihrer ursprünglichen Form losgelöst zu sein scheinen, um nicht zu sagen befreit. Wovon der Maler hier ausgegangen ist, ist für den Betrachter nicht mehr nachvollziehbar, das ist aber auch nicht erforderlich. Niemals geht es ihm um den „schönen Schein“ in der Wiedergabe eines Gegenstandes, sondern vielmehr um die künstlerische Wahrhaftigkeit, die er in abstrahierter Form, allen Kunst-Moden trotzend, auf die Leinwand zu bannen versucht.

 

1) Egon Kapellari, Über Sichtbares und Unsichtbares, in: Josef Mikl retrospektiv, 1947 - 2003, Ausstellungskatalog, Kunsthalle Krems, Krems 2004, S 43

 

aus: Hollegha, Mikl, Prachensky, Abstraktion in Österreich, Katalog hrsg. von Galerie Kovacek & Zetter, Wien 2014