Josef Mikl 1929 - 2008

Ina Tempfer, Brot-Stillleben, Katalog Kovacek & Zetter, Mai 2014

 

Brot-Stillleben, 1998

Öl auf Bütten

51,5 x 65,5 cm

 

Ein Jahr nachdem Josef Mikl den spektakulären Auftrag für den Großen Redoutensaal in der Wiener Hofburg  ausgeführt hat, entsteht das hier gezeigte „Brot-Stillleben“. Auf den ersten Blick mag es überraschend sein, dass sich der üblicherweise der gestischen und abstrakten Malerei zugeordnete Künstler einem so traditionellen Thema wie dem Stillleben widmet, doch hat sich Josef Mikl fast sein gesamtes Werk hindurch immer wieder mit dieser Gattung auseinandergesetzt. Ab 1965 und verstärkt seit Mitte der siebziger Jahre wird das Stillleben zu einem wichtigen Thema im Oeuvre des Künstlers: Pflanzen, Blumen, Spielsachen, Obst, Gemüse oder eben auch Brot, in allen möglichen Techniken festgehalten, sind immer wiederkehrende Motive, bei deren Darstellung die Grenzen zwischen Malerischem und Zeichnerischem meist verschwimmen beziehungsweise ineinander übergehen. Die Stillleben changieren zwischen Anklängen an eine realistische Wiedergabe und dem Versuch, das Vorgegebene zu überwinden bis hin zur vollständigen Abstraktion – ein Spannungsfeld, das nicht nur in dieser motivischen Gattung charakteristisch für Josef Mikls gesamtes Oeuvre ist. Die Darstellung von Stillleben ist seit jeher mit der Frage nach Leben und Tod verbunden, dem Memento mori1 und der Vanitas2 als Verweise auf die Vergänglichkeit der irdischen Existenz. Dessen ist sich auch Josef Mikl sicher bewusst, wenn er in seinen Bildern die von der Natur vorgegebenen Formen in seine eigene, zeitlose Sprache übersetzt.

 

1) lateinisch: Gedenke des Todes

2) lateinisch: leerer Schein, Nichtigkeit Eitelkeit

 

aus: Hollegha, Mikl, Prachensky, Abstraktion in Österreich, Katalog hrsg. von Galerie Kovacek & Zetter, Wien 2014