Josef Mikl 1929 - 2008

Gabriele Baumgartner, Biografisches zu Josef Mikl, 2013

 

Einer der prägensten Künstler Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg war Josef Mikl. 1929 in Wien geboren, lebte und arbeitete er bis zu seinem Tod 2008 in seiner Heimatstadt.

Seine Biographie listet beeindruckende internationale Erfolge, zahlreiche Ausstellungen und Ehrungen auf. Nicht nur daran kann man seine künstlerische Bedeutung messen, sondern auch an seinen vielfältigen Aufträgen, für die er verpflichtet wurde. Neben Glasfenstern - unter anderem für die Friedenskirche in Hiroshima - gestaltete er für den sakralen Gebrauch Kelche und Messkleider. Er entwarf Plakate, Bühnenbilder, Kostüme für Theateraufführungen und designte Schmuck und Kleidung.

Intensiv setzte er sich mit Literatur auseinander und so entstanden unter anderem zu Johann Nestroys Häuptling Abendwind und Nikolai Gogols Tote Seelen große Werkzyklen. Josef Mikl selbst schrieb und illustrierte satirische Schriften, wovon einige mehrmals präsentiert und auch veröffentlicht wurden.

Mit seinem Namen verbindet man nicht nur seine langjährige Professur an der Akademie der bildenden Künste, sondern auch seine Mitgliedschaft in der legendären Gruppe Galerie St. Stephan (Wolfgang Hollegha, Josef Mikl, Markus Prachensky, Arnulf Rainer). Unauslöschlich mit der österreichischen Kunstgeschichte verbunden ist Mikl aber vor allem durch seinen größten öffentlichen Auftrag: Die Ausgestaltung des Großen Redoutensaals in der Wiener Hofburg. Nachdem 1992 ein verheerender Brand die Ausstattung des Großen Redoutensaales vernichtet hatte, entschloss sich die Republik Österreich für eine Neugestaltung. Mit Hilfe eines Wettbewerbes sollte der geeignete Künstler gefunden werden. Mit seinen auf Texten von Karl Kraus, Johann Nestroy, Elias Canetti und Ferdinand Raimund basierenden Gemälden beeindruckte Josef Mikl und konnte die Jury für sich gewinnen. In Öl auf Leinwand malte er zwischen 1994 und 1997 das 404 m2 (34,80x11,60 m) große Deckenbild und die 22 Wandbilder mit einer Gesamtfläche von 214 m2. 

Josef Mikls Arbeiten wirken auf einen für seine Kunst ungeübten Betrachter fälschlicherweise oft abstrakt. Mehrmals betonte Mikl selbst: Gegenstandslose Bilder gibt es nicht. Bei längerer Betrachtung, unter zu Hilfenahme des Bildtitels und eine Phase des „Einschauens“ in die Bilder, erkennt man die Formen und das Dargestellte. Einmal in seine Formen- und Bildsprache eingetaucht, ergibt sich eine spannende Wahrnehmung mit neuen Eindrücken.  Über dieses Einschauen, das Beschäftigen mit der Kunst, meinte der Künstler selbst: Wenige verstehen Bilder richtig, man will zuerst denken und dann schauen. SCHAUEN ist die geistige Arbeit.