Josef Mikl 1929 - 2008

Florian Steininger, Josef Mikl, Katalog, Galerie bei der Albertina - Zetter, 2014

„Die anatomisch gedachte Zeichnung denkt von innen nach außen.“ Mit diesem Statement verdeutlichte Josef Mikl seine abstrakte Ambition in der Malerei und Zeichnung, ohne jedoch das Figurative aus seiner Formenwelt auszuschließen. Es ist eine gefühlte Figuration und keine geschaute, abgebildete, von der sichtbaren Realität. Zuerst stand die freie künstlerische Äußerung, der Pinselstrich, in seinem Wesen ungegenständlich, autonom, der aber in eine Matrix des elementar Figurativen eingespannt wurde. Schraffuren bilden Flächen eines Malereikörpers, der sich selbst genügt, mit malerischen Mitteln aufgefüllt ist. „Ohne Titel“ von 1962 stammt aus einer Werkphase, in der ein fahrig dynamischer Gestus bei Mikl vorherrschend war, gefasst in ein formales System der aufrechten Figur. Diese Figur hat durchwegs Annäherungen zu skulptural kubistischen Formulierungen wie etwa die von Fritz Wotruba. Auch Mikl schuf vereinzelt kubisch-röhrenartige Objekte des anthropomorph Maschinellen.
Das vorliegende Bild markiert eine Hochblüte des österreichischen Informel als den wichtigsten künstlerischen Beitrag der Nachkriegszeit. Mikl und seine Kollegen der nächst St. Stephan – Gruppe sowie weitere Künstler schlossen sich rasch an die internationale Avantgarde des abstrakten Expressionismus an und schufen eine fruchtbare Szene für die heimische Kunst.

aus: Neuheiten im Frühling 2014

Galerie bei der Albertina - Zetter, Wien 2014