Josef Mikl 1929 - 2008

Die Kunstform Tanz, Pantomime, Ballett, ....

Die Kunstform Tanz, Pantomime, Ballett, unterliegt von Haus aus einer wohltuenden Beschränkung, sie hängt von der Bewegungsfähigkeit des menschlichen Körpers ab.

Aus dieser scheinbaren Not hat das klassische Ballett, durch seine absolute und reine Künstlichkeit

die schönste Tugend gemacht.

Unmöglich, aus dieser Künstlichkeit ein "Gesamtkunstwerk" zu machen, wie es von manchen

Kulturschaffenden gewünscht wird. Alle dunklen Ismen: Naturalismus, Realismus, Symbolismus,

Surrealismus usw. passen nicht auf den Tanzplatz, sollte Ähnliches im Text (Inhalt) vorkommen, so

genügen einige Tanzschritte zur Aufklärung.

Das Ballett ist demnach eine einfache (aber großartige) Sache. Aus der jüngeren Vergangenheit

kennen wir Beispiele, wie man diese Großartigkeit durch Aufträge (wann war das Ballett kein

Auftrag?) an gute Musiker und Literaten, Bildhauer und Maler unterstrichen hat. Diese

Vergangenheit ist bereits Geschichte geworden.

Unsere Oper hat dazu ein neues Kapitel zu schreiben, mit neuen, frischen Lebendigen als Helden,

die ihrerseits wieder Geschichten machen.

 

(Als diese Zeilen 1978 geschrieben wurden, allegorisch für alle Disziplinen gedacht, wußte ich, daß

weiterhin nichts geschehen würde.

Kein Jahrhundert hat seine großen Begabten so schlecht behandelt, so wenig mit Aufgaben

betraut, wie dieses.

Die Folgen werden sich unseren Nachkommen als große Durststrecke zeigen, in denen mehr

Kapital für Verwässertes ausgegeben wurde, als je zuvor.)

 

in: Mikl, Deckenbild und Wandbilder Großer Redoutensaal Wiener Hofburg 1994 - 1997, Wien 1997