Josef Mikl 1929 - 2008

Claudia Aigner, Das Gelbe von der Malerei, Wiener Zeitung, 10. Februar 2016

Einen Mikl fürs Wohnzimmer gibt’s ja leider nicht auf Krankenschein, obwohl die Bilder Stimmungsaufheller sind (viel Gelb, viel Orange) und sicher weniger Nebenwirkungen haben als Antidepressiva aus der Apotheke. (Gut, wenn man sie zu lange betrachtet, wird man davon eventuell dick, weil sie auch Rot enthalten und das den Appetit anregt.)

In der Galerie Exner kann man jetzt aber wenigstens seine Winterdepression gratis mit ihnen therapieren. Das Gelb ist so frisch, als wäre es noch feucht (was natürlich nicht sein kann, da der Josef Mikl seinen Pinsel 2008 endgültig aus der Hand gelegt hat), während van Goghs Sonnenblumen schön langsam verwelken, immer brauner werden. Letzteres liegt am instabilen Chromgelb, das heute eh keiner mehr verwendet. Zu giftig. (Hm. Die Toxizität dürfte doch eigentlich kein Problem sein. Wirkt Gelb denn nicht entgiftend?) Die Stillleben und Figuren (1961 bis 2008) sind irgendwie beides - abstrakt und realistisch. In der malerischen oder zeichnerischen Geste erahnt man eine Welt der Gegenstände. Was? Das ist keine grantige Frau im Profil, das sind "Lilien mit Weißbrot"? Nun, der Mikl war Maler, kein Illustrator.

Je tiefer der Besucher in die Galerie vordringt, desto feuriger lodern die Wände. Spannend: das Projekt "Häuptling Abendwind", zu Nestroys Einakter über zwei Kannibalenstämme, deren Häuptlinge jeweils die Gattin des anderen vernascht haben, also: aufgegessen. (Vielleicht haben die Damen ja unvorsichtigerweise was Rotes angehabt.) Pointierte Dialoge, übersetzt in schmissige Pinselstriche. Kompakte zwischenmenschliche Szenen hat der Mikl stets jeder Massenschlacht vorgezogen. "Zwei Figuren im Wirtshaus" - he, zieht da der eine dem andern eins über wie der Kasperl dem Krokodil?