Josef Mikl 1929 - 2008

Brigitte Bruckner: Der Mikl-Grund, 2008

Mit dem Grundierhandwerk beginnt alles.
Notwendig für samtige, goblinhafte Tiefen bei großen Flächen, für klare, präzise, durchschneidende Pinselstriche, leuchtende Farben in klarster Form, matt und glänzende Oberflächen nebeneinander, kräftiges Leinen als Grundlage. Spannung bis im kleinsten Detail erhalten.

Die geordnete, sechs Mal gestrichene Grundierung senkrecht-waagrecht-senkrecht, gespannt wie eine Trommel.
Am Klang erkennbar.
Die grundierte Leinwand fordert zur freien, großen Bewegung heraus, fordert die Leichtigkeit, die Freude, die Lust der Farbe heraus, um die Strenge des Grundes mit dem Können der Malerei zu beseelen.
Das Sprengen der Fläche, beherrschen der Form, in die Grenzen-Weisen des Zufalls.
Der Fantasie freien Lauf gelassen mit intellektuellem Zugpferd.
Gefügigmachen des harten Widerstandes – des Untergrundes.

Gejagt von der Neugier auf neue Bilder – unsere gemeinsame Zeit.
Das gegenseitige Erstbesichtigungsrecht – jedes Bild als erster sehen zu dürfen, wirken lassen zu können im Raum des Entstehens, ohne dass es schon Kunstgeschichte ist, sondern von dieser noch unberührt und frei.

Das neue Bild – den Tag in sich tragend, berührend, das gesamte Wissen aller selbst gemalten Bilder eingeschlossen, auch wenn im Augenblick alle anderen vergessen sind – noch ohne Absicht.

Mein Vorbesichtigungsrecht – Danke.

 

in: Josef Mikl, Brigitte Bruckner (Hrsg.), Josef Mikl, Arbeiten 1997 - 2008, Wien 2009, S 110 - 111