Josef Mikl 1929 - 2008

Bernhard Dobrowsky: Nachruf, 2008

Einer der ganz großen österreichischen Maler, der zuletzt in Wörtherberg lebende Josef Mikl ist tot.

 

Ich muss sehen.

 

„Im Gewissen hat Gott den Blick auf mich geworfen, und nun ist es mir unmöglich gemacht, zu vergessen, dass dieses Auge mich sieht. Dieses, dass Gott auf mich sah, machte, dass ich auf Gott sehen musste und muss.“ Dieses Zitat von Sören Kierkegaard ließ die Familie von Josef Mikl auf seine Trauerparte setzen. Mikl ist vor wenigen Tagen im 79. Lebensjahr gestorben.
Mikls Bilder strahlen in ihrer Entschiedenheit eine Lebensfreude aus, der man sich kaum entziehen kann. Das bestimmende Thema in seinem Oeuvre ist der menschliche Körper. Einen wesentlichen Teil seines Schaffens widmet Mikl sakralen Themen: Kelche, Monstranzen, Messkleider und vor allem Glasfenster, an die 50 für gut zehn verschiedene Kirchen, darunter allein 16 für die Friedenskirche in Hiroshima. Im Burgenland hat Mikl zwei für die Filialkirche von Willersdorf (1965) und vier Glasfenster für die Kirche von Sankt Margarethen (1966 bis 1970) geschaffen. Zu seinen bedeutendsten Arbeiten zählt das 300 Quadratmeter große Emmaus-Rundbild in der Kapelle des Salzburger Bildungszentrum St. Virgil, das 1975/76 entstand. Zentrale Figur ist der Pantokrator. Hier dominieren noch fest gefügte Strukturen einer aus Balken, Röhren, Gestänge und farbigen Flächen gebauten Malerei. Später kennzeichnet Mikls Malweise eine großzügige spontane Pinselführung mit einem starken Gelborange und einem intensiven Rot. Diese Bilder beeindrucken durch ihr starkes dynamisch aufgeladenes Energiepotential. Es geht Mikl um das Verwandeln des Gesehenen ins Bildhafte. „Meine Bilder brauchen kein künstliches Licht, sie leuchten aus sich heraus“, sagte er.

Der Glaube war für Josef Mikl etwas ganz Wesentliches. „Ich glaube nicht, dass ein Maler, der Bedeutung gehabt hat oder noch haben wird, ohne Glauben auskommen kann“, sagte er einmal, denn „ohne Glauben kann man nicht arbeiten, man soll seine Arbeit aber auch nicht mit religiöser Verlogenheit verbrämen“.

1997 schuf Mikl die über 600 Quadratmeter großen Decken- und Wandbilder im wieder eröffneten Großen Redoutensaal der Wiener Hofburg nach dem Brand von 1992. Josef Mikl wurde 1929 in Wien geboren, studierte an der Akademie der Bildenden Künste von 1948 bis 1955 in der Meisterklasse von Josef Dobrowsky, gründete 1956 mit Hollegha, Prachensky und Rainer die Künstlergruppe „Galerie St. Stephan“ unter der Schirmherrschaft von Otto Mauer, vertrat Österreich bei der Biennale in Venedig und war von 1969 bis 1997 Akademie-Professor am Schillerplatz. Die letzten Jahre verbrachte er mit seiner Frau im südburgenländischen Wörtherberg.