Josef Mikl 1929 - 2008

Anmerkungen (Theater am Fleischmarkt), 1998

Das Theater am Fleischmarkt lebte intensiv, aber kurz.
Nach erfolgter Gründung, mit uns als guten Vorstandsmitgliedern, kamen Stücke von Beckett, Feydeau, Ghelderode, Genet, Ionesco.
Allerdings wurde meine bereits affichierte Lithographie, Theaterplakat, vom Direktor mit Publikumsangst überpickt.
Kein gutes Omen.
Publikum kam nicht, schlechte Kritiker kamen, Witzeleien, Dummheiten, Gelächter für unsere Dichter und Maler-Bühnenbildner.
Die engagierten Darsteller spielten täglich vor wenigen Besuchern, Freikarten-Besucher eingerechnet.
Schandbares Wien mit seinem schandbaren Kunstverhalten.
Die Inkubationszeit bis zur Anerkennung der Qualität dauert hier über hundert Jahre länger als anderswo.

Eine von mir gewidmete, selbstgenähte Applikation (2,5x10 m) über der „Escorial“-Bühne verschwand schnell, sie wurde nie gefunden.
Ebenso ging es der Applikation (2x10 m ) über der Porcia-Bühne, sei gefiel auch dem Bürgermeister nicht.
Wochinz übergab mir tapfer ein Paket mit meiner aufgetrennten Arbeit.
Sie hätte sonst nicht in die Verpackung gepaßt, meinte er.

 

in: Josef Mikl (Hrsg.), Josef Mikl, Johann Nestroy, Häuptling Abendwind, Vorarbeiten, Bühnenentwürfe, Ölbilder, Graphik, 1994 - 1998, Wien 1999, S 12