Josef Mikl 1929 - 2008

Alfred Schmeller: Und der Tod spielt Minigolf, 1961

Knochenmänner in Löwenmaulfarben: Aktzeichnungen von Mikl

Noch auf der Akademie zeichnete Josef Mikl mit der Kohle die Akte auf Packpapier, die gegenwärtig in der Galerie St. Stephan ausgestellt sind. Viele werden jetzt sagen, ja, damals 1961, war er gut.
Die Ausstellung zeichnet eine folgerichtige Entwicklung nach. Die frühen Akte sind gebündelte Energie aus grauer Gaze. Diese Körper sind mit Muskelpaketen angestopft wie ein Nähmaschinenkästchen mit Garnrollen. Über Walzen und Rollen werden Kräfte transportiert – anfangs dominierten noch Licht und Schatten, aber aus dem Effekt wurden Hebelbeziehungen und Druckspannungen, der Kohlestift dringt in Schenkel- oder Armmuskeln ein, von außen her, von der impressionistischen Kohleschraffur her werden die Muskelpakete organisiert. Mit diesem Team von nackten Leibern könnte man die Olympiade gewinnen.
Straff und zart sind die Transmissionslinien, das ineinandergreifende Kräftewerk ist auf engem Raum beschränkt wie eine wohldurchdachte Maschine. Volumen ist in federnde Energie verwandelt, Indem der Maler diese Sprungfedernakte zeichnet, zieht er sie auf wie einen Präzisionsapparat, speichert er Schnellkraft. Die naturalistische Anatomie wird zur Flaschenzugsmuskulatur.
Von hier aus geht dann eine Linie über eine Phase, in der die Mechanik eine größere Rolle spielt (1951 bis heute), bis zu richtigen Skeletten. Kein lieblicher Pfad. Das Gerüst wird wichtiger, die Takelage eines Körpers. Das Studium des Stehens und Sitzens wendet sich dem des Gehens und Laufens zu. In blühenden Farben gezeichnete Knochenmänner sitzen und treiben Konversation, der Tod spielt Minigolf.
Dann setzt sich wieder Fleisch an. Also der umgekehrte Weg, nicht der der Abstraktion. Der menschliche Körper wird zum Katarakt, zum Strichgefälle. Lockere Kettenglieder verbinden sich mit Papierschlangenleichtigkeit, den Körper überhaspelt, überrieselt ein Geschling aus Haken und Maschen. Liegende zittern wie Espenlaub, die Laubmenschen durchfährt Bewegung. Aber dann zieht die Zeichenhand die Rauchkringel wieder stärker an, der Lassoschwung gilt der menschlichen Figur, dem Figurenknoten, aber die menschlichen Figuren werden nicht zu Gefangenen des blitzschnell zugreifenden Aquarellpinsels. Die Fangwürfe zielen nicht darauf  ab, die Bewegung erstarren zu lassen, nicht das Momentbild ist das Ziel, sondern die Verlebendigung der Körpermaße.
Eine der schönsten Ausstellungen der kleinen Galerien der letzten Jahre.

 

in: Kurier, 3. Mai 1961